Spondylose ist eine knöcherne Zubildung an der Wirbelsäule: Der Körper bildet an den Wirbelkörpern kleine Knochenspangen, die benachbarte Wirbel nach und nach überbrücken. Sie tritt vor allem bei älteren Hunden auf und verläuft in vielen Fällen deutlich milder, als die Diagnose zunächst vermuten lässt.
Viele Halter erschrecken, wenn beim Röntgen plötzlich von “Verknöcherung” die Rede ist. Das klingt nach etwas Großem. Tatsächlich ist Spondylose oft ein Nebenbefund, den der Körper selbst angelegt hat, um einen Abschnitt der Wirbelsäule zu stabilisieren. Wie sehr das im Alltag stört, hängt weniger vom Röntgenbild ab und mehr davon, wie beweglich und gut bemuskelt der Rücken drumherum ist.
Was bei Spondylose im Rücken passiert
Die Bandscheiben und Gelenke zwischen den Wirbeln nutzen sich mit den Jahren ab. Als Reaktion bildet der Körper an den Rändern der Wirbelkörper Knochenmaterial, das mit der Zeit Spangen zwischen den Wirbeln bildet. Diese Spangen versteifen den betroffenen Abschnitt. Das ist ein Reparaturversuch, kein Tumor und keine akute Erkrankung.
Betroffen ist häufig die Übergangszone zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule oder der Bereich vor dem Kreuzbein. Der versteifte Abschnitt selbst tut meist nicht weh. Beschwerden entstehen eher dort, wo die umliegende Muskulatur die verlorene Beweglichkeit ausgleichen muss und dabei verspannt.
Wie Sie Spondylose erkennen
Spondylose entwickelt sich langsam, deshalb sind die Zeichen leicht zu übersehen. Achten Sie auf diese Alltagssituationen:
- Steifigkeit nach dem Ruhen. Der Hund kommt morgens oder nach langem Liegen schwer in Gang und läuft sich erst nach ein paar Minuten frei.
- Anlaufschwierigkeiten. Die ersten Schritte wirken hölzern, danach wird es besser.
- Empfindlicher Rücken. Beim Streicheln über die Wirbelsäule zuckt der Hund, dreht den Kopf oder mag an bestimmten Stellen nicht berührt werden.
- Weniger Schwung. Sprünge ins Auto, aufs Sofa oder das Treppensteigen fallen sichtbar schwerer. Wie Sie einen älteren Hund im Alltag entlasten, lesen Sie im Beitrag den alten Hund beweglich halten.
- Verändertes Gangbild. Manche Hunde tragen den Rücken steifer oder zeigen ein leichtes Zittern in der Hinterhand nach Belastung.
Diese Zeichen sind nicht spezifisch für Spondylose. Sie können genauso zu Arthrose oder anderen Rückenproblemen passen. Die Diagnose stellt Ihre Tierärztin per Röntgen, nicht das Gefühl beim Streicheln.
Warum viele Hunde gut mit Spondylose leben
Das ist die gute Nachricht: Ein Röntgenbild voller Knochenspangen bedeutet nicht automatisch einen leidenden Hund. Viele Tiere mit deutlicher Spondylose bewegen sich im Alltag erstaunlich unbeschwert. Entscheidend ist nicht, wie viel verknöchert ist, sondern wie gut der Rücken drumherum arbeitet.
Ein Hund mit kräftiger Rumpf- und Rückenmuskulatur fängt die Steifheit eines versteiften Abschnitts viel besser ab. Genau hier lässt sich mit den richtigen Gewohnheiten am meisten erreichen.
Was Physiotherapie leisten kann
Die Knochenspangen selbst bilden sich nicht zurück, das kann keine Behandlung. Aber der Alltag mit Spondylose lässt sich spürbar erleichtern. Darum geht es in der Hundephysiotherapie:
Verspannungen lösen. Die überlastete Muskulatur rund um den steifen Abschnitt verkrampft mit der Zeit. Gezielte Massage und Wärme lockern sie und nehmen Druck vom Rücken.
Beweglichkeit erhalten. Sanfte, passive Bewegungen und dosiertes Training halten die noch beweglichen Wirbelabschnitte geschmeidig, damit nicht auch dort die Beweglichkeit verloren geht.
Muskulatur aufbauen. Ein stabiler Rumpf entlastet die Wirbelsäule bei jedem Schritt. Wie gezieltes Training abläuft, beschreibt der Beitrag zum Muskelaufbau beim Hund.
Ich komme dafür zu Ihnen nach Hause, wo Ihr Hund entspannt und in gewohnter Umgebung mitarbeitet.
Was Sie zu Hause tun können
Wärme tut vielen Hunden mit Spondylose gut, besonders an kühlen, feuchten Tagen. Ein warmes Kirschkernkissen auf dem Rücken vor dem Spaziergang lockert die Muskulatur.
Bleiben Sie in Bewegung, aber gleichmäßig. Mehrere kurze, ruhige Runden am Tag sind besser als die eine lange Wanderung am Wochenende. Vermeiden Sie wildes Abstoppen, enge Kehrtwendungen und weite Sprünge. Eine Rampe ins Auto und rutschfeste Läufer auf glatten Böden nehmen zusätzlich Druck vom Rücken.
Wann zur Tierärztin
Physiotherapie kommt nach der tierärztlichen Abklärung, nicht davor. Zeigt Ihr Hund plötzlich starke Schmerzen, mag sich nicht mehr bewegen, knickt in der Hinterhand ein oder wirkt teilweise gelähmt, gehört er umgehend in die Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst. Solche Zeichen können auf einen Bandscheibenvorfall hindeuten, der schnell behandelt werden muss und mit einer harmlosen Spondylose nichts zu tun hat.
Häufige Fragen
Hat mein Hund mit Spondylose Schmerzen?
Nicht zwangsläufig. Der versteifte Abschnitt selbst schmerzt meist nicht. Beschwerden entstehen eher durch verspannte Muskulatur drumherum oder durch begleitende Verschleißerscheinungen. Viele Hunde mit deutlicher Spondylose bewegen sich im Alltag unbeschwert. Wichtig ist, auf Steifheit und Empfindlichkeit zu achten und diese behandeln zu lassen.
Ist Spondylose beim Hund heilbar?
Die knöchernen Zubildungen bilden sich nicht zurück, insofern ist Spondylose nicht heilbar. Das Ziel ist ein anderes: Beweglichkeit erhalten, Verspannungen lösen und die Muskulatur so kräftigen, dass der Rücken die Versteifung gut ausgleicht. Damit leben viele Hunde über Jahre beschwerdearm.
Darf mein Hund mit Spondylose noch Sport machen und spazieren gehen?
Ja, Bewegung ist sogar wichtig, um Muskulatur und Beweglichkeit zu erhalten. Gut sind mehrere ruhige, gleichmäßige Runden statt seltener Höchstleistung. Meiden sollten Sie ruckartiges Abstoppen, enge Wendungen und weite Sprünge. Was im Einzelfall passt, stimmen Sie am besten mit Ihrer Tierärztin und der Physiotherapie ab.
Wie wird Spondylose festgestellt?
Über ein Röntgenbild in der Tierarztpraxis. Dort werden die Knochenspangen an den Wirbeln sichtbar. Oft ist Spondylose ein Zufallsbefund, der bei einer Untersuchung aus anderem Anlass auffällt. Das Bild allein sagt allerdings wenig darüber aus, wie stark Ihr Hund im Alltag eingeschränkt ist.
Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei akuten oder plötzlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis.
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